Bericht zum Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie vom April 2019

6.05.2019

Vom 25. – 27. April 2019 fand an der Universität Wien bereits der 58. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie statt. Das Leitthema des Kongresses lautete „Die Erfindung des Alters“. Vera Uetz, Co-Präsidentin Fachgruppe Angewandte Gerontologie FGAG, berichtet:

„Die Erfindung des Alters“, ein auf den ersten Blick irritierendes Thema, wenn man bedenkt, dass die Menschen, auch wenn sich die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten erhöhte, immer schon dem Alterungsprozess unterworfen waren. So widmete sich ein Symposium dem Thema „Älterwerden als Frage der Kultur“. Das Alter und das Altern wurden von verschiedenen Seiten beleuchtet. Am meisten beeindruckte mich das Referat von Silke van Dyk, (Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, D), mit ihrem Statement: „Das Leben, somit auch das Altern und das Alter, ist immer eine Balance zwischen Autonomie und Abhängigkeit. Die Abhängigkeit sollte jedoch selbst- oder mitgestaltet werden. Sogenanntes „Gutes Alter“ (oder auch „Erfolgreiches Alter“) führt im weiteren Verlauf meist in ein abhängiges, krankes Alter und wird somit als „Schlechtes Alter“ und als Scheitern gewertet“ (freie Formulierung der Autorin dieses Berichtes).

Obschon der Schwerpunkt des Kongresses in der Geriatrie lag, fanden viele Symposien zur Gerontologie statt. Themen waren Empowerment, Ressourcenorientierung, Altersbilder, Caring Communities, Alter(n) und die Politik der Sorge, kommunale Gesundheitsförderung für ältere Menschen sowie Demenz und Palliative Care. Die Referentinnen und Referenten kamen vorwiegend aus Deutschland und Österreich, aber auch aus der Schweiz. Somit erhielten die Anwesenden einen Überblick über alle drei Länder. Parallelen konnten gezogen werden, aber auch Unterschiede liessen sich finden. Wie so oft an Kongressen fiel die Entscheidung zur Teilnahme an den Symposien schwer, da einige Veranstaltungen parallel zueinander stattfanden.

Der Auslöser für meine Teilnahme am Kongress war das Symposium zum Thema „Wer wir sein wollen – Studien- und Berufsbild Gerontolog*in in Österreich und Deutschland“. Die SGG wurde von Florian Wernicke (AGP Sozialforschung & Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze), Freiburg, D), Verantwortlicher für das Symposium, eingeladen, über die Situation in der Schweiz zu berichten. So durfte ich die Befragung zu „Berufliche Identität als Gerontologin/ Gerontologe“ (von Stefan Spring, im Auftrag der FGAG, 2016) und die Erhebung „Gerontologisch relevante Tätigkeiten (pdf/252 KB)“ (von Susanne Frank, Maja Grolimund Daepp, Sara Hardmeier, Tomas Kobi und Stefan Spring, im Auftrag der FGAG, 2018) präsentieren (Link zur Präsentation (pdf/393 KB). Thomas Klie (Evangelische Hochschule, Freiburg, D) berichtete über die Geschichte und den heutigen Stand der akademischen Qualifizierung in der Gerontologie in Deutschland. Sein Beitrag zeigte, dass auch in Deutschland Aus- und Weiterbildungsangebote entstehen, aber auch wieder sistiert werden. Leider war kein Referent aus Österreich dabei.

Der Kongress war ein guter Anlass, um sich über verschiedene Studien, Projekte und Arbeiten im deutsch­sprachigen Raum zu informieren und sich inspirieren zu lassen sowie die Vernetzung mit Deutschland zum Thema Berufsbild zu erneuern und zu vertiefen.

Vera Uetz, Co-Präsidentin Fachgruppe Angewandte Gerontologie FGAG